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Weit verbreitete Irrtümer

Kenne dich selbst!

„Gnauthi seauton“, „nosce te ipsum“ oder einfach „kenne dich selbst“. Ob als Inschrift des Apollontempels in Delphi, als Gedicht von Novalis oder als Grundpfeiler der stoischen Philosophie – diese Aufforderung wird wohl jeder schon einmal gelesen oder gehört haben. Mit diesem Satz konfrontiert, stellen wir uns unwillkürlich die Frage, ob und wenn ja, wie gut wir uns eigentlich selbst kennen. Und was noch viel wichtiger ist: wie können wir uns selbst besser kennen lernen?

Diese Fragen beschäftigen die Menschen (nicht nur) in Europa schon seit tausenden von Jahren. Die meisten Versuche sie zu beantworten basierten auf Meditation, Introspektion und Isolation vom Rest der Gesellschaft. Aktuelle Forschung legt jedoch nahe, dass diese „klassischen“ Methoden zur Selbsterforschung keine akkuraten Antworten liefern können.

Was wissen wir über uns?

Wir alle tendieren dazu zu glauben mehr über uns zu wissen als alle anderen. Und tatsächlich gibt es auch gute Gründe dies anzunehmen. Niemand sonst hat Zugriff auf so viele Informationen über uns wie wir selbst. In einer Studie hat ein Forscherteam rund um Emily Pronin allerdings zeigen können, wie unzuverlässig Selbsteinschätzungen sein können.

45 College-WG-Paare (also insgesamt 90 Studenten) sollten im Wesentlichen folgende 4 Fragen beantworten:

  1. Wie gut kenne ich mich selbst?
  2. Wie gut kenne ich meinen Mitbewohner?
  3. Wie gut kennt mich mein Mitbewohner?
  4. Wie gut kennt sich mein Mitbewohner selbst?

Die Ergebnisse der Untersuchung lauteten wie folgt:

  1. Die Teilnehmer gaben an sich selbst besser zu kennen als ihr Mitbewohner.
  2. Die Teilnehmer gaben an ihren Mitbewohner besser zu kennen als dieser sie kennt.

Und diese Ergebnisse sind gut nachvollziehbar. Habt ihr nicht auch oft das Gefühl ihr wisst ziemlich genau, was jemand meint oder will, aber was ihr eigentlich sagen wollt versteht keiner?

Auf die Gründe wieso genau wir so denken gehen wir hier nicht näher ein. Für unsere Zwecke reicht zunächst die Feststellung, dass wir dazu neigen uns selbst mehr Wissen zuzuschreiben als anderen. Es ist klar, dass das schnell zu Selbstüberschätzung führen kann.

Und genau hier liegt das Problem.

Unser Wissen über uns selbst ist nämlich alles andere als perfekt und es schleichen sich immer wieder Fehler in unsere Selbsteinschätzung ein. Aber wie können wir diese Fehler vermeiden?

Der Game-Changer

Der Game-Changer ist, das Wissen anderer über uns selbst zu nutzen. Das Wissen anderer? „Was sollen die schon groß über mich wissen?“ wird sich jetzt sicher der ein oder andere fragen. Wie sollen andere denn auch ohne Zugriff auf alle unsere Gedanken und Emotionen eine Idee unseres „selbst“ bekommen? Wie wir weiter oben gesehen haben, ist das ein ganz natürlicher Gedanke.

Tja, ihr erinnert euch sicherlich. Wie so häufig ist dieser intuitive Gedanke falsch. Tatsächlich kennen uns Leute aus unserem Umfeld oft erstaunlich gut. Manchmal eben sogar besser als wir selbst.

Das zeigt eine Studie von Simine Vazire aus dem Jahre 2010.

Im Rahmen der Studie wurden 165 Studenten in Fünfergruppen aus Freunden eingeteilt. Unter anderem wurden die Teilnehmer gebeten sich und die anderen Mitglieder ihrer Gruppe in Bezug auf verschiedene Eigenschaften zu bewerten. Zum Beispiel sollten sie angeben wie ängstlich, dominant, gesprächig, kreativ oder intelligent sie selbst und ihre Gruppenmitglieder sind.

Anschließend wurden validierte Maße genutzt, um die Eigenschaften der Teilnehmer objektiv zu messen. Die Angaben der Studenten wurden mit den Ergebnissen dieser Tests korreliert.

Wichtig ist hier zu beachten, dass nur getestet wurde ob intelligente Menschen auch als intelligent eingeschätzt werden, nicht aber wie genau z.B. IQ-Werte oder G-Faktoren geschätzt werden.

Die folgende Graphik zeigt die Korrelationskoeffizienten der Angaben der Studienteilnehmer (höhere Werte stehen für eine höhere Übereinstimmung zwischen Angabe und objektiver Messung):

Genauigkeit der Einschätzung der eigenen Persönlichkeit und der Persönlichkeit von Freunden für unterschiedliche Eigenschaften (Vazire, Carlson 2011).

Ganz links sehen wir die Bereiche, die kaum beobachtbar und nicht besonders evaluativ sind. Dazu zählen vor allem von Gefühlen geprägte Eigenschaften wie Ängstlichkeit, Optimismus etc. Wie wir sehen, schneiden die Selbsteinschätzungen hier deutlich besser ab als die Einschätzungen der Freunde.

In der Mitte sehen wir die Bereiche, die einem Beobachter sofort ins Auge fallen, also sehr leicht zu beobachten sind, aber nicht sehr evaluativ sind. Unter diese fallen Eigenschaften wie Gesprächigkeit oder Schweigsamkeit.

Die Spalte ganz rechts zeigt die Bereiche die nur schwer zu beobachten und sehr evaluativ sind. Dazu zählt z.B. auch die Intelligenz.

Erstaunlicherweise schneiden hier die Bewertungen von Freunden deutlich besser ab als die Selbsteinschätzung. Interessant oder nicht? Das heißt im Klartext, wenn all eure Freunde (wenn man sie dann überhaupt noch Freunde nennen kann) euch nicht für besonders intelligent halten, ihr euch selbst aber schon, könnt ihr eure Karriere als Harvard Professor trotzdem an den Nagel hängen.

Wenn wir ein genaues und umfangreiches Profil unserer Persönlichkeit erstellen wollen, sind wir auf die Hilfe anderer Personen angewiesen. Introspektive Ansätze zur Selbsterforschung sind schlichtweg nicht ausreichend, um valide Ergebnisse zu liefern.

Fazit

Schön und gut, aber wie erhält man nun ein besseres Bild der eigenen Persönlichkeit? Ok, man benötigt ehrliches Feedback. Aber wie soll man es bekommen? Ich denke hier muss jeder eigene Strategien finden seine Freunde und Bekannten dazu zu bewegen ehrliche Einschätzung über seine Persönlichkeit zu geben. Und wahrscheinlich sollte man sich auch genau überlegen, ob man das auch wirklich will.

Eine mögliche Lösung, die nicht allzu sehr auf aktiver Mitarbeit anderer Personen beruht schlagen Simine Vazire und Erika Carlson vor:

Um eine bessere Vorstellung seiner eigenen Persönlichkeit zu bekommen solle man versuchen sich in die Menschen, die einem nahestehen hineinzuversetzen und sich selbst aus ihrem Blickwinkel zu betrachten. Forschungen haben gezeigt, dass wir ziemlich gut einschätzen können, wie wir von anderen Menschen wahrgenommen werden. Wir nutzen dieses Wissen allerdings nur sehr selten, wenn es darum geht aussagen über uns selbst zu treffen.

Vazire und Carlson schlagen deshalb vor uns bei der Suche nach uns selbst auf unsere Eindrücke der Eindrücke, die wir auf andere machen zu konzentrieren.

Mein ganz persönliches Fazit lautet allerdings wie folgt:

Wenn wir das nächste Mal das Gefühl haben uns selbst nicht richtig zu kennen und etwas daran ändern zu müssen, sollten wir die Meditation links liegen lassen und uns mit ein paar guten Freunden auf ein Bier und eine offene Konversation verabreden 😉

Quellen

Vazire, Simine, and Erika N. Carlson. „Others sometimes know us better than we know ourselves.“ Current Directions in Psychological Science 20.2 (2011): 104-108.

Pronin, Emily, et al. „You don’t know me, but I know you: The illusion of asymmetric insight.“ Journal of Personality and Social Psychology 81.4 (2001): 639.

Wilson, Timothy D. „Know thyself.“ Perspectives on Psychological Science 4.4 (2009): 384-389.

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Allgemein Besondere Tode und andere historische Ereignisse

Der neue Messias

Das langweiligste Fach der Welt?

Religionsunterricht. Wie oft habe ich schon in der Schule gesessen und darüber nachgedacht, wie überflüssig dieses Fach ist. Ging es euch nicht ähnlich?

Wenn ja, ist das wirklich schade. Denn heute, lange Jahre nachdem ich die Schule und den Religionsunterricht weit hinter mir gelassen habe, beginne ich mit einem anderen Blick auf das Thema zu schauen und entdecke immer mehr Geschichten von religiösen Akteuren, die es wert sind erzählt zu werden.

Der folgende Artikel erzählt die erstaunliche Geschichte einer heute völlig vergessenen messianischen Bewegung.

Zu modern für die Neuzeit

Sie beginnt am jüdischen Trauertag Tisha B’aw im Jahre 5386 jüdischer Zeitrechnung, was dem 1. August 1626 unserer Zeitrechnung entspricht. An diesem Tag erblickte Sabbatai Zwi das Licht der Welt. Als Sohn eines Geflügelhändlers aus Smyrna (heute Izmir) wurde er später zum Begründer einer messianischen Bewegung, die überall in Europa und Anatolien Anhänger finden sollte. An der Spitze dieser Bewegung stand Sabbatai selbst als Messias.

Gemessen an der großen Bedeutung, die diesem Titel in den abrahamitischen Religionen beigemessen wird, war dies ein gewagtes Unterfangen. Wie gibt man sich als „Gesalbter“, als von Gott gesandter Erlöser und Heilsbringer, als das Übel der Welt überkommender und ein neues Zeitalter einleitender Heiland zu erkennen?

Wie wir hatte auch der junge Sabbatai auf diese Frage keine konkrete Antwort. Doch im Alter von 21 Jahren konnte er sein Sendungsbewusstsein nicht länger für sich behalten. Er beschloss seinem Gefühl zu folgen und teilte sich seinem sozialen Umfeld mit.

Er berichtete von Visionen, in denen er sich als gesalbten Messias gesehen hatte. Das ist schon etwas komisch oder? Stellt euch vor einer eurer Freunde kommt mit so was zu euch. Ihr würdet ihm wohl nahelegen sich professionelle Hilfe zu suchen.

Doch war dies nicht alles.

Er sprach den Gottesnamen öffentlich laut aus und verkündete, die kommende Welt sei nahe. Da das Lautaussprechen des Gottesnamens in der jüdischen Tradition verboten war, wird er auch so Aufsehen erregt haben.

Die größte Sensation wird jedoch seine, für die damalige Zeit (und für viele heute leider immer noch) unvorstellbare, Eheschließung gewesen sein.

Wie kann man seine Ehe Mitte des 17. Jahrhunderts außergewöhnlich gestalten? Klar, man muss mit Traditionen brechen. Scheinbar unabdingbar war es damals, dass ein Ehepartner männlich und der andere weiblich sein musste. Sabbatai beschloss sich diesem Gebot zu widersetzen.

Um seinen Anspruch auf den Titel Messias zu verdeutlichen, ehelichte er in einer öffentlichen Zeremonie eine Thorarolle. So wollte er die Verbindung, die er mit JHWH eingegangen war, verdeutlichen.

Die weitreichenden Folgen dieser Offenbarung als gesandter Gottes hatte Sabbatai wohl nicht voraussehen können.

Er wurde kurzerhand aus der jüdischen Gemeinde verbannt und unter Schimpf und Schande der Stadt verwiesen. Auch in Saloniki, wo er zunächst wohlwollend empfangen wurde, fand er keine Bleibe und wurde nach weiteren „ketzerischen“ Taten der Stadt verwiesen.

Eine Frau heiraten?

Sein Weg führte Sabbatai schließlich nach Jerusalem und Ägypten, wo er für die jüdische Gemeinde Jerusalems Geld sammelte, das diese dem Sultan als Tribut zahlen musste. Die Gemeinde dort schien ihn zu akzeptieren und es sind keine allzu auffälligen oder anstößigen Taten bekannt.

Mit fortschreitendem Alter wurde die Frage nach der Ehe für Sabbatai immer relevanter.

Wie ihr euch sicherlich erinnert war seine erste Ehepartnerin ja eine Thorarolle. Im Alter von 38 entschloss er sich erneut zu heiraten – diesmal jedoch tatsächlich eine Frau.

Doch war die Hochzeit wohl auch diesmal alles andere als gewöhnlich.

Lasst uns zunächst einen Blick auf Sarah, die Braut die sich der Messias gewählt hatte, werfen.

Um ihre Herkunft und Geschichte ranken sich zahlreiche Legenden und es ist schwer Wahrheit und Fiktion voneinander zu trennen. Von den einen wird sie als Prostituierte bezeichnet, von den anderen als Jungfrau. Eines haben allerdings alle Quellen über dieses sonderbare Mädchen gemeinsam: Sie stammte aus Mittel- bzw. Osteuropa und wusste schon seit ihrer Kindheit, dass sie einst der Messias zur Frau nehmen würde.

Ob Sabbatai Gerüchte über die junge Frau, die im fernen Norden davon sprach den Messias zu heiraten, gehört und sie aus diesem Grund zu sich bestellt hat? Wir wissen es nicht.

Wie auch immer, sie scheint ihm eine bessere Partnerin als die Thorarolle gewesen zu sein. Er ließ sich nicht von ihr scheiden und heiratete auch später nicht mehr.

Sein Leben scheint sich nach der Eheschließung auch tatsächlich ein wenig beruhigt zu haben. Er reduzierte anstößige Auftritte merklich. Als er schließlich von einem jungen Gelehrten und Heilkundigen namens Nathan erfuhr, machte er sich auf den Weg zu ihm. Er hoffte, er könne das „Leiden“, als das er sein religiöses Sendungsbewusstsein mittlerweile empfand, kurieren.

Der Messias und sein Prophet

Doch was ihm der selbsternannte Prophet aus Gaza eröffnete, dürfte Sabbatais Hoffnungen auf ein „normales“ Leben gänzlich zunichte gemacht haben. Wie genau das Gespräch der beiden ausgesehen hat lässt sich nur vermuten, doch das Ergebnis legt eine, dem folgenden Dialog ähnliche, Konversation nahe.

Sabbatai: Oh weiser Nathan, ich bitte dich inständig, lasse mich an deiner Weisheit teilhaben. Unterweise mich und befreie mich von meinem Leiden.

Nathan: Unterweisen kann ich dich nicht. Und dein Leiden kenne ich nicht.

Sabbatai: Ich habe Visionen und eine Stimme sagt mir unentwegt, ich sei der Messias. Aber die Menschen erkennen mich nicht als diesen an, also muss es falsch sein.

Nathan: Von deinen Visionen kann ich dich nicht befreien. Ein solcher Versuch käme einem Sakrileg gleich. Ich würde mich direkt gegen Gott wenden.

Sabbatai: …..

Nathan: Ja, richtig gehört! Es ist die Stimme Gottes die zu dir spricht. Du bist der Messias und wirst die Menschheit in die kommende Welt führen.

Durchbruch

Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass Sabbatai nach diesem Gespräch nicht von seinen Wahnvorstellungen geheilt war. Er ließ sich 1665 von Nathan offiziell zum Messias proklamieren und begann seine Mission. Auch wenn es natürlich viele Skeptiker gab – ein wenig Skepsis ist bei solchen Ereignissen ja auch durchaus verständlich – wurde Sabbatai von einem Großteil der Juden im nahen Osten begeistert aufgenommen.

Er legte einige eindrucksvolle Auftritte in Jerusalem und Umgebung hin, die sich schnell in ganz Vorderasien und in Europa verbreiteten. Es ist leicht sich vorzustellen, dass die Geschichten dabei von mal zu mal immer fantasievoller wurden.

Es hieß die Stämme Israels wären zurückgekehrt und hätten unter der Führung des Messias Ländereien im Nahen Osten zurückerobert. Sabbatai selbst ernannte Könige, die die Welt als seine Stellvertreter regieren sollten.

So stellten sich Sabbatais Anhänger in Europa seine Herrschaft im Heiligen Land vor. Das Bild stammt aus der in Amsterdam veröffentlichten jüdischen Zeitung „Tikkun“ aus dem Jahre 1666.

Erst einmal in Europa angekommen, klangen die Taten des selbsternannten Messias wohl tatsächlich wie Wunder, die nur mit Gottes Hilfe vollbracht werden konnten.

Wie sehr die jüdische Bevölkerung in Europa diesen Gerüchten glaubte, zeigt das folgende Beispiel:

Samuel b. Meir, der Bruder von Sahra (Sabbatais Ehefrau), arbeitete in Amsterdam in einer Tabakfabrik. Von dort aus machte er sich 1666 auf den Weg zu seinem Schwager in Jerusalem – im 17. Jahrhundert ein langer und beschwerlicher Weg. Er hatte die bescheidene Hoffnung dieser würde ihn zu einem mächtigen Herzog im neuen Reich ernennen. Ob seine Hoffnungen erfüllt wurden werden wir später noch erfahren.

Was wohl ebenfalls zur Verbreitung der Bewegung um Sabbatai geführt haben dürfte ist die missliche Lage in der sich die jüdische Bevölkerung Europas befand. Im 30 jährigen Krieg (1618-1648) war es bereits vielfach zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung im Heiligen römischen Reich deutscher Nation gekommen und kurz darauf führte der Chmelnicki-Aufstand in der Ukraine 1648 zu gewaltsamen Übergriffen gegen die Juden Osteuropas.

Kein Wunder also, dass es die jüdische Bevölkerung in Europa nach einem Erlöser dürstete, den viele in dem jungen Sabbatai aus Smyrna sahen. Seine Anhängerschaft wuchs überall wo es Juden gab.

Es schien, als würden sich die Prophezeiungen von Nathan aus Gaza erfüllen. Es sah wirklich so aus, als wäre der Messias hinab auf die Erde gestiegen um ein neues Zeitalter einzuleiten.

Der Messias und der Sultan

In seinem Sendungsbewusstsein bestärkt, machte sich Sabbatai also von Jerusalem nach Konstantinopel auf, dem Zentrum der europäischen Welt. Dort angekommen wollte er seine Anhängerschaft vervielfachen.

Doch dazu sollte es gar nicht erst kommen.

Dem türkischen Sultan scheint die ganze Messias-Geschichte schließlich doch etwas zu viel geworden zu sein und so entschloss er sich, Sabbatai verhaften zu lassen. Töten wollte er ihn jedoch nicht. Er wusste, dass ihn das in den Augen seiner Anhänger zum Märtyrer machen würde und dies zu einer Radikalisierung der Bewegung führen könnte.

Also stellte er den Messias vor die Wahl. Konversion zum Islam oder ein Beweis für seine Gotteskraft.

Jetzt fragt sich der ein oder andere vielleicht: Wie soll man beweisen, dass man von Gott auserwählt ist, dass man von ihm mit gottgleicher Macht ausgestattet wurde?

Der Sultan hatte da eine Idee. Sie war nicht weiter kompliziert und schien doch ihren Zweck zu erfüllen.

„Wie wäre es“ sagte er „wenn wir den Messias an einen Pfahl binden und ihn wahllos mit Pfeilen beschießen“. Er schmunzelte. „Wenn Gottes Hand die Pfeile abwehrt und sich der Allmächtige so zu erkennen gibt, werde ich persönlich vor seinem Gesandten auf die Knie sinken. Sollten ihn die Pfeile aber durchbohren und er sterben, so sei er als Scharlatan entlarvt.“

Für welche Option hättet ihr euch wohl entschieden?

Wenn ihr nicht zu 100 Prozent davon überzeugt gewesen wärt der Messias zu sein wahrscheinlich für die Konversion zum Islam oder?

Doch was tat der Held unserer Geschichte?

Richtig geraten. Er entschied sich ebenfalls für das Leben und konvertierte zum Islam. Ein bisschen gesunder Menschenverstand war ihm wohl trotz allem noch geblieben.

Für seine Anhänger war dies jedoch eine Enttäuschung ohne Gleichen. Der Messias selbst fällt vom rechtmäßigen Glauben ab und nimmt die Religion des Unterdrückers an? Das kann nicht sein.

Samuel b. Meir hörte von der Konversion des Messias und kehrte auf seinem Weg ins Heilige Land um. Schamerfüllt kehrte er in seine Heimatstadt Amsterdam zurück und widmete sich wieder dem Tabakgeschäft. Ein Herzog ist er nie geworden.

So verlor die Bewegung an Anhängern und Attraktivität für neuen Zulauf. Doch einige hielten an der Idee Sabbatai sei der Messias fest. Sie legten die Konversion zum Islam als notwendigen Schritt aus und trafen sich im Geheimen, um über das mysteriöse Verhalten des Messias zu philosophieren.

Aus dieser Tradition gingen später weitere selbsternannte Erlöser der Menschheit hervor, die ebenfalls zum Islam oder zum Christentum konvertierten. Der letzte dieser Hochstapler war Jakob Frank, der sowohl zum Islam als auch zum Christentum konvertierte.

Er begründete diese Konversionen mit mystischen Argumenten und es gelang ihm einen großen Teil der Juden Europas von ihrer Notwendigkeit zu überzeugen.

Wie hat er das geschafft?

Das erfahrt ihr in einem weiteren Text.

Quellen

Scholem, Gershom. Sabbatai Sevi The Mystical Messiah 1626-1676. Princeton 1973.

Petzel, Paul. Sabbatai Zwi – ein Bruder des Messias Jesus? Anmerkungen und Fragen zu einer schwierigen Verwandschaft. In: Zeitschrift für katholische Theologie, 2005, Vol. 127, No. 4, S. 415-448.

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Allgemein Weit verbreitete Irrtümer

Eine Definition von Intelligenz

Auch wenn du bestimmt mega intelligent bist, kennst du wahrscheinlich jemanden, der noch schlauer ist als du.

Oder etwa nicht?

Ich kenne da einige. Mitschüler, die den Unterrichtsstoff besser und schneller verstanden haben, andere Doktoranden, die cleverere Forschung machen und manchmal treffe ich selbst beim Feiern gehen Menschen, die ihre Argumente dreimal erklären müssen, bevor ich sie verstehe.

Gut, der letzte Punkt lässt sich vielleicht auch durch übermäßigen Alkoholkonsum erklären.

Jetzt fragst du dich vielleicht: was genau meinst du mit Intelligenz?

Ich will ehrlich sein. Ich kann diese Frage nicht sehr präzise beantworten. Grob gesprochen meine ich damit die Auffassungsgabe, die Geschwindigkeit, mit der jemand Informationen aufnehmen, kombinieren und daraus korrekte logische Schlüsse ableiten kann.

Klingt nicht sehr präzise, oder? Es wäre sehr schwer Intelligenz auf Basis dieser Definition zu messen.

Intelligenz messbar zu machen ist jedoch sehr wichtig.

Immer wieder untersuchen Forscher Zusammenhänge zwischen Intelligenz und allen möglichen anderen Größen wie etwa der Berufswahl, dem Einkommen oder der Bildung.

Doch bevor man solche Zusammenhänge messen kann, muss man natürlich erst die einzelnen Größen messen.

Natürlich ist dies Wissenschaftlern schon lange bewusst. Es gibt schon lange präzise und plausible Definitionen von Intelligenz die Messbarkeit ermöglichen.

Diese Definition ist leider in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt.

Spoiler: Es ist nicht der IQ!

In diesem Artikel möchte ich euch erklären, wie Wissenschaftler Intelligenz definieren und warum.

Der g-Faktor

Falls du jetzt gedacht hast ich komme dir mit IQ – weit gefehlt. IQ als Maß für Intelligenz ist veraltet (Plomin und von Stumm 2018).

In der Forschung nutzt man stattdessen den Allgemeinen Faktor der Intelligenz, auch g-Faktor oder g genannt.

Während IQ-Tests nur eine bestimmte Art des logischen Denkens messen, beinhaltet der g-Faktor sehr viele verschiedene Arten von Intelligenz. Dazu gehören neben logischem Denken räumliches Denken, verbale Intelligenz, emotionale Intelligenz und viele mehr.

Diese Arten von Intelligenz erscheinen dir vielleicht verschieden. Doch Menschen, die in einer Art hohe Werte erzielen, sind meistens auch in anderen Arten der Intelligenz sehr stark (Plomin und von Stumm 2018).

Das Leben scheint hier also nicht besonders fair zu sein. Ausgleichende Gerechtigkeit – ich bin besser im logischen Denken, dafür kannst du besser räumlich denken – gibt es in der Realität eher weniger. Einige Menschen sind einfach in allen Arten der Intelligenz besser als andere.

Intelligenzforscher gehen daher davon aus, dass es so etwas wie Allgemeine Intelligenz gibt, die den Kern all dieser verschiedenen Arten von Intelligenz darstellt.

Diese Allgemeine Intelligenz versucht man aus den Testergebnissen von verschiedenen Intelligenztests zu schätzen. Zu diesem Zweck werden alle Informationen aus den verschiedenen Tests kombiniert. Alle Testergebnisse gehen also mit in die Gesamtintelligenz ein.

Allerdings liefern manche Intelligenztests präzisere Ergebnisse als andere. Beim Zusammenrechnen werden daher die präziser gemessenen Tests stärker berücksichtigt.

Dies kann man beispielsweise mit einer Principal Component Analyse (PCA) machen. Einzelheiten dazu findet ihr hier. Obwohl das Prinzip nicht super kompliziert ist, würde eine nähere Beschreibung der PCA hier den Rahmen sprengen.

Ist dieses Maß für Intelligenz sinnvoll?

Gut, jetzt wissen wir, wie man Allgemeine Intelligenz berechnet.

Aber wie aussagekräftig ist dieses Maß?

Die allermeisten Forscher halten dieses Maß für extrem aussagekräftig. Dass Intelligenzforscher das so sehen ist klar. Es ist ja ihr Job zuverlässige Maße für Intelligenz zu finden. Aber auch in anderen Disziplinen wie zum Beispiel der Psychologie oder der Ökonomie gilt der g-Faktor als aussagekräftig.

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe.

Erstens ist g besser als jede andere Eigenschaft geeignet um wichtige Größen wie Bildung (Deary et al. 2007), Berufswahl (Strenze 2007) und selbst Gesundheit (Calvin et al. 2017) vorher zu sagen.

Was bedeutet das?

Sagen wir, du lernst zwei Kinder kennen. Sie sind beide 16 Jahre alt. Du willst vorhersagen was aus ihnen wird. Welche Bildungsabschlüsse werden sie erreichen? Wie viel werden sie verdienen? Wie lange werden sie leben?

Du darfst genau eine Eigenschaft der beiden messen und darauf deine Vorhersage gründen.

Welche Eigenschaft solltest du messen, um die beste Vorhersage zu ermöglichen?

Ambitionen? Selbstbewusstsein? Sorgfalt? Sozialverhalten? Nein!

Du solltest den g-Faktor messen. Er wird dir die beste (und eine sehr gute) Vorhersagekraft ermöglichen. Nur dadurch, dass du g misst, kannst du recht gut vorhersagen wer erfolgreich sein wird und wer nicht.

Das bedeutet natürlich nicht, dass andere Faktoren keine Rolle spielen. Ambitionen im Kindesalter beispielsweise weisen ebenfalls einen engen Zusammenhang mit Einkommen und sozialem Status im Erwachsenenalter auf.

Jedoch weist keine andere Eigenschaft einen so engen Zusammenhang mit späterem Erfolg auf wie der g-Faktor.

Zweitens ist der g-Faktor ein sehr stabiles Maß. Menschen, die im Kindesalter ein relativ hohes g haben, schneiden auch als Erwachsene gut ab. Besonders ab der Pubertät ändert sich die Reihenfolge zwischen Menschen bezüglich g eher selten. Diejenigen, die mit 16 die höchste allgemeine Intelligenz haben, haben auch noch mit 90 Jahren den höchsten g-Faktor (Deary et al. 2013).

Dies legt auch nahe, dass g wohl ohne große Messfehler gemessen werden kann. Denn diese Fehler sollten nicht stabil über die Zeit sein.

Der g-Faktor über die Lebensspanne

Die eben diskutierte Stabilität bezieht sich nur auf Unterschiede zwischen Menschen. Die Unterschiede im g-Faktor zwischen ähnlich alten Personen verändern sich über die Zeit kaum.

Aber die Allgemeine Intelligenz eines einzelnen Menschen verändert sich über die Zeit sehr wohl. Die meisten Menschen haben ihren höchsten g-Faktor im jungen Erwachsenenalter. Danach nimmt g stetig ab.

So gesehen werden Menschen im Alter immer dümmer. Aber gut, dafür nimmt auf der anderen Seite mit der Erfahrung auch das Wissen zu.

Zusammenfassung

Natürlich hat jeder Mensch eine etwas andere Vorstellung davon, was Intelligenz ist. Manche denken vielleicht, dass sprachliche Intelligenz ein Teil von Intelligenz sein sollte während andere meinen, dass Intelligenz nichts anderes sei als logisches Denken.

Dies ist aber kein großes Problem. Denn wie wir gesehen haben, sind verschiedene Formen von Intelligenz stark miteinander korreliert; Menschen, die in einem Bereich von Intelligenz besonders gut abschneiden, sind auch in anderen Feldern sehr stark.

Die moderne Intelligenzforschung bezieht daher so viele Formen von Intelligenz wie möglich in ihre Analyse mit ein und kombiniert all diese Informationen.

Das Ergebnis ist der g-Faktor, der auch als „Allgemeine Intelligenz“ bezeichnet wird.

Mit ihm lassen sich überraschend gut wichtige Dinge wie spätere Bildungsabschlüsse oder die Berufswahl recht gut (aber natürlich nicht perfekt) vorhersagen.

Obwohl Fälle erfolgreicher intelligenter Menschen deutlich häufiger sind, sind die Fälle, in denen eine frühe, auf dem g-Faktor basierende, Prognose zu komplett falschen Ergebnissen geführt hätte, viel interessanter.

Das krasseste Beispiel solcher Art findest du ausführlich im folgenden Artikel beschrieben; Der letzte Brief eines Genies

Viel Spaß beim Lesen!

Quellen

Calvin, Catherine M., et al. „Childhood intelligence in relation to major causes of death in 68 year follow-up: prospective population study.“ bmj 357 (2017).

Deary, Ian J., et al. „Intelligence and educational achievement.“ Intelligence 35.1 (2007): 13-21.

Deary, Ian J., Alison Pattie, and John M. Starr. „The stability of intelligence from age 11 to age 90 years: the Lothian birth cohort of 1921.“ Psychological science 24.12 (2013): 2361-2368.

Plomin, Robert, and Sophie von Stumm. „The new genetics of intelligence.“ Nature Reviews Genetics 19.3 (2018): 148.

Strenze, Tarmo. „Intelligence and socioeconomic success: A meta-analytic review of longitudinal research.“ Intelligence 35.5 (2007): 401-426.

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Allgemein Besondere Tode und andere historische Ereignisse

Nichts für Warmduscher

Das tägliche Bad. Es ist heutzutage kaum aus unserem Alltag wegzudenken. Ob es genutzt wird um morgens frisch in den Tag zu starten oder nach einem langen Tag der Arbeit zur Erholung von den Strapazen des Tages dient.

Das Baden ist allerdings keines Falls eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Bereits vor über 5000 Jahren badeten sich die babylonischen Könige. Auch bei den Römern und Griechen gehörte das regelmäßige Bad zum Alltag. So ist z.B. überliefert, dass Archimedes, nachdem er beim Einsteigen in eine Badewanne das Archimedische Prinzip entdeckt hatte, nackt und „Heureka!“ rufend durch die Straßen der Stadt lief. Im 19. Jahrhundert entstanden schließlich erste Modelle moderner Badewannen aus verzinktem Eisenblech.

Der Arzt und sein Hautleiden

In einer solchen Wanne pflegte auch der französische Verleger, Arzt und Revolutionär Jean Paul Marat zu baden. Er litt unter einer Hautkrankheit und nahm regelmäßig lange Bäder um sich Linderung von den Schmerzen und Juckreizen zu verschaffen. Diese Bäder nutzte er unter anderem auch um seine Schriften zu verfassen.

Dazu gehörten nicht nur einschlägige Artikel, die er in seiner Zeitschrift „L’Ami du peuple“ (Freund des Volkes) veröffentlichte, sondern auch umfangreichere politische und naturwissenschaftliche Werke. Sein in englischer Sprache verfasstes Traktat „The Chains of Slavery“ stellt ein politisches Werk dar, das auf der Grundanlage beruht, dass jeder Souverän das absolute Ziel hat, seinen eigenen Machtbereich zu erweitern. Er fordert das Volk dazu auf sich als oberstes Ziel zu setzen, den Herrscher in seiner Macht einzuschränken.

Das kühle, mit Ölen und heilenden Kräutern versetzte Wasser und die Abwesenheit der sonst so lästigen Schmerzen, müssen Marat ein besonderes Gefühl der Entspannung und Geborgenheit gegeben haben.

Deswegen sollten sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt in der Badewanne lassen

Doch die Geschichte lehrt uns, dass man sich selbst in einer mit warmem Wasser und Seife gefüllten Wanne im eigenen Haus besser nicht zu sicher fühlen sollte. Als Marat am 13. Juli 1793, einen Tag vor dem 4. Jahrestag des Sturmes auf die Bastille, sein Bad nahm, und wie üblich an der nächsten Ausgabe seiner Zeitschrift „L’Ami du peuple“ arbeitete, betrat eine junge Frau sein Zimmer.

Bei dieser Frau handelte es sich um die damals 25 jährige Charlotte Corday. Sie gehörte dem Lager der moderateren Girondisten an und war angeblich gekommen, um bei Marat einige ihrer Parteimitglieder zu denunzieren. Doch in Wahrheit hegte sie gänzlich andere Pläne.

Neben der Liste mit den Namen der „Verräter“ brachte sie ein langes, scharfes Küchenmesser mit. Nach einem kurzen Gespräch stach sie dem Badenden die 20 Zentimeter lange Klinge tief in die Brust und beendete damit sein Leben.

Wenige Monate nach der Ermordung des Marat malte Jaques-Luis David sein berühmtes Gemälde „Der Tod des Marat“

Als sie sich vom Tatort entfernte wurde sie sogleich von einem Redakteur des „L’Ami du peuple“ niedergeschlagen und festgenommen. Sie wurde am 17. Juli 1793, nach einem 4 tägigen Prozess in Paris, guillotiniert.

Eigentlich hatte sie ihre tat in aller Öffentlichkeit durchführen wollen und damit gerechnet sogleich von der wütenden Menge in Stücke gerissen zu werden. So erging es ein Jahrhundert zuvor übrigens den Brüdern Cornelis und Johan de Witt, die 1672 in Den Haag von aufgebrachten Bürgern gelyncht wurden.

Das Motiv

Corday dachte, dass sie mit der Ermordung des Verlegers die Schreckensherrschaft der Jakobiner beenden würde. Damit stand sie vermutlich nicht ganz allein. Vielen moderaten Revolutionären waren Marat und seine radikalen Vorstellungen ein Dorn im Auge. Marat selbst war sich dessen wohl bewusst gewesen und hatte eine fast schon paranoide Vorsicht entwickelt.

Im entscheidenden Moment war er jedoch nicht in der Lage die Gefahr, die von Charlotte Corday ausging, zu erkennen.

Vor einem weiteren Feind hätte auch die schärfste Vorsicht nicht helfen können. Marat litt an seborrhoischer Dermatitis, einer tödlichen, damals nicht behandelbaren Hautkrankheit. Dem spanischen Genetiker Lalueza-Fox zufolge kam Corday der Krankheit wohl nur um wenige Tage oder Wochen zuvor.

Von Mördern, Opfern und Helden

Auf diesem Gemälde von Paul Jacques Aimé Baudry von 1858 steht (im Gegensatz zu Davids Gemälde) die Mörderin ganz im Mittelpunkt.

Sowohl die Mörderin als auch der Ermordete wurden nach ihrem Tod zu Märtyrern erklärt. Während Marat in den revolutionären Kreisen Frankreichs zum Nationalhelden wurde, wurde Corday zur Galionsfigur konterrevolutionärer Gruppierungen. Selbst für Aleksander Puschkin, der in seinem Gedicht „Der Dolch“ die Tyrannenmörder von Brutus und Cassius bis zu Karl Ludwig Sand verherrlicht, ist Charlotte Corday die Heldin, die die Welt vom „Tyrannen“ Marat befreit hat.

Quellen

Conner, Clifford D.: Jean-Paul Marat. Tribune of the French Revolution. 2012.

Heifer, Harold: A Bathtub Chronicle. In: Challenge. Vol. 2, No. 6, 1954, S. 36-68.

Gottschalk, Louis: The Life of Jean Paul Marat. Kansas 1923.

Marat, Jean-Paul: The Chains of Slavery. London 1774.

Taschwer, Klaus: Rätsel um die schlimmen Leiden des Jean-Paul Marat womöglich gelöst. Der Standard 2019.

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