Selber Forschen

Du bist auf den Geschmack gekommen und willst selbst ein paar Nachforschungen anstellen? Du traust uns nicht und willst unsere Analysen replizieren?

Auf dieser Seite listen wir einige sehr gute Datensätze auf. Unsere Artikel basieren zu einem großen Teil auf diesen Daten. Sie sind alle frei zugänglich.

Außerdem erklären wir hier ein paar Basics zur Datenanalyse und Literaturrecherche.

Damit bietet diese Seite so etwas wie ein Toolkit für Hobbyforscher.

Datensätze

Um empirisch zu forschen braucht man Daten. Zu diesem Zweck kann man eigene Experimente oder Umfragen durchführen, was kostenintensiv ist.

Einfacher ist es, schon bestehende Datensätze zu verwenden. Im Folgenden stelle ich euch einige interessante Datensätze vor. Diese sind alle frei zugänglich.

Weltweite Datensätze

Der World Value Survey (WVS) ist eine der meistgenutzten Umfragen überhaupt. In dieser Umfrage werden Demographische Charakteristika (Geschlecht, Alter, Ethnie…), Werte (z.B. Religiosität), politische Einstellungen (z.B. sollten Männer bei der Einstellung bevorzugt werden) und vieles mehr von hunderttausenden von Menschen abgefragt.

Die Umfrage wird seit 1981 alle paar Jahren durchgeführt, was es ermöglicht, Trends zu untersuchen. Außerdem wurden angehörige vieler Länder befragt was zum Beispiel interkulturelle Vergleiche ermöglicht.

Ein Problem gibt es aber: die Stichproben des WVS sind nicht repräsentativ für die verschiedenen Länder. Daher ist es schwer aus dem WVS Aussagen über die Gesamtbevölkerungen abzuleiten.

Du brauchst Daten über Eigenschaften von Menschen wie Altruismus, allgemeines Vertrauen in andere Menschen oder Risikobereitschaft? Hier hilft dir der WVS nicht sonderlich weiter, weil seine Fragen häufig zu speziell sind, um allgemeine menschliche Eigenschaften messbar zu machen.

Nutze für solche Fragen lieber den Global Preference Survey

Dieser Datensatz beinhaltet Maße für Geduld, Risikoverhalten, Reziprozität, Altruismus und Vertrauen von tausenden Menschen in den meisten Ländern der Welt.

Das Besondere: die Maße sind mit echtem Verhalten validiert. Sie spiegeln also echtes Verhalten gut wider. Daher sind die Zahlen des GPS besonders aussagekräftig. Außerdem sind die Befragten repräsentativ für die Landesbevölkerungen.

Dafür wurde die Umfrage leider nur zu einem Zeitpunkt durchgeführt.

Die folgende Graphik wurde mit Hilfe der GPS-Daten erstellt (tatsächlich geht das direkt auf der Website mit einem Klick).

Dargestellt ist wie geduldig Menschen in den verschiedenen Ländern im Durchschnitt sind. Höhere Zahlen deuten auf geduldigere Menschen hin. Wie man sieht, sind im internationalen Vergleich die Schweden am geduldigsten.

Durchschnittliche Geduld nach Land. Höhere Werte deuten auf eine höhere Geduld hin. Ein Wert von 0 bedeutet „durchschnittliche geduldig relativ zur Weltbevölkerung.
Quelle: https://www.briq-institute.org/global-preferences/maps

Du willst wissen, wie das Bild für Altruismus aussieht? Dann schau dir doch einfach die Website an!

Falls du dich eher für Wahldaten interessierst, dann schau mal bei Politico vorbei. Dort findest du alle aktuellen Wahldaten Europas. Von Präsidentschaftswahlen bis zu Regionalwahlen.

Noch besser: Aktuelle Umfragedaten sind auch abrufbar. So kannst du dir jederzeit ein Bild über die Stimmung in den europäischen Ländern machen.

Last but not least: Geacron. Geacron ist ein interaktiver Weltatlas.

Das bedeutet, du kannst dort für jedes Jahr ab 3000 vor Christi (!) bis in die Gegenwart (!) alle bekannten Landesgrenzen abrufen.

Es ist echt spannend sich da mal durchzuklicken und zu sehen wie Weltreiche aufsteigen und wieder verschwinden.

Die folgende Graphik wurde auch mit Geacron erstellt und zeigt wie riesig das Mongolenreich um 1259 war.

Landesgrenzen um 1259 n. Chr. Quelle: http://geacron.com/home-de/?lang=de

Europäische Datensätze

Du willst dich in deiner Analyse auf Europa konzentrieren? Dann kannst du natürlich auch z.B. den WVS nutzen. Allerdings gibt es Datensätze, die sich auf Europa konzentrieren und daher detaillierter sind.

Aus diesem Grund nutzen viele Forscher diese Datensätze, wenn sie Europa erforschen wollen.

Äquivalent zum VWS sind der European Social Survey und die European Value Study

Beide Umfragen werden wiederholt durchgeführt. Im Gegensatz zum VWS sind die Befragten eines Landes jedoch repräsentativ für die entsprechende Landesbevölkerung.

Du willst den Zusammenhang zwischen Arbeitslosenraten und Zufriedenheit untersuchen? Oder den Zusammenhang zwischen Korruption und Vertrauen?

Dann brauchst du auch Daten über die Länder.

Solche Daten Europäischer Länder bezieht man am besten von Eurostat. Zieh es dir rein, da gibt es wirklich Daten über fast alles. Von der Arbeitslosenrate über CO2 Emissionen bis zur Einwanderung.

Daten Analysieren

Du hast deine Wunschdaten?

Super!

Aber was nun?

Du brauchst natürlich noch ein Programm, um die Daten zu analysieren. Excel kannst du hier vergessen. Das ist bei großen Datensätzen sehr langsam und außerdem sind viele Analysen dort nicht durchführbar.

Ich empfehle zwei Programme. Beide sind komplett kostenfrei, recht einfach zu bedienen, sehr mächtig und sie werden in der Wirtschaft wie an Universitäten sehr häufig genutzt. Tatsächlich werden Kenntnisse dieser Programme mittlerweile in ziemlich vielen Stellenausschreibungen gefordert.

Die Rede ist von python und R.

Python ist eine einsteigerfreundliche Computersprache die sich aber auch hervorragend zur Datenanalyse eignet. Es dauert leider ein bisschen, bis python installiert und ready ist. Ein detailliertes Tutorial findest du hier.

Besonders gut dabei: Wenn man die Sprache einmal beherrscht, fällt es einem auch sehr viel leichter in anderen Bereichen zu programmieren.

R dagegen ist eher als reines Statistikprogramm konzipiert. Es ist deutlich leichter einzurichten und etwas leichter zu lernen und zu benutzen. Wichtig: ladet euch sowohl R als auch RStudio herunter. RStudio ist eine Benutzeroberfläche für R, die das Leben erleichtert.

Entscheide dich am besten für eines der beiden Programme.

Und dann?

Zieh dir erstmal ein paar Youtube Videos zur Bedienung rein. Es gibt da wirklich gute Ressourcen. Einfache Analysen durchzuführen wirst du mit deren Hilfe schnell lernen.

Viel Spaß dabei!

Mit anderen Forschern Connecten

Erkenntnisse schreiben Forscher in Forschungsarbeiten nieder. Diese Arbeiten nennt man normalerweise Papiere, oder papers.

Warum auch immer.

Solche papers sind in der Regel 20-40 Seiten lang und werden in Fachzeitschriften veröffentlicht.

Das Besondere dabei: andere (anonyme) Wissenschaftler werden vom Herausgeber der Zeitschrift gebeten, das paper auf Herz und Nieren zu prüfen. Nur wenn die Prüfer zustimmen, wird das paper veröffentlicht.

So soll sichergestellt werden, dass nur seriöse Forschung veröffentlicht wird.

Das funktioniert natürlich nicht perfekt, aber es ist immer noch besser als die Qualitätsprüfungen normaler Zeitschriften. Daher sind papers die seriöseste Quelle, die man für eine Behauptung anführen kann.

Papers werden fast ausschließlich von professionellen Forschern geschrieben.

Daneben gibt es auch noch sogenannte working papers. Diese werden auch von professionellen Forschern geschrieben. Jedoch wurden sie (noch) nicht von einer Fachzeitschrift anerkannt.

Wo findet man papers und working papers?

Auf google scholar!

Das funktioniert im Grunde genauso wie normales googlen. Man gibt einen Suchbegriff ein und bekommt Vorschläge. Der einzige Unterschied ist, dass diese Ergebnisse zum größten Teil aus papers und working papers bestehen.

Interessiert?

Dann google-scholar doch am besten mal direkt drauf los?

Welches Thema oder welche Frage hat dich schon immer interessiert?

Gibs einfach mal ein und sieh was passiert.

Viel Spaß dabei!