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Weit verbreitete Irrtümer

Ist Intelligenz vererbbar?

Es ist kein Geheimnis, dass Kinder ihren Eltern meist ähnlich sehen. Große Kinder bringt man häufig korrekterweise mit ihren noch riesigeren Eltern in Verbindung. Andere Kinder kann man ihren Eltern durch seltsame Nasen oder ihre Haarfarbe zuordnen.

Kaum jemand wird bezweifeln, dass dies zum größten Teil an der Genetik liegt. Man kann sich seine Haare zwar färben, aber die natürliche Haarfarbe kann man nur schwer durch Erziehung oder andere Umweltumstände verändern. Bei Körpergröße ist das sogar noch schwerer.

Doch dies sind Eigenschaften, die nur das Erscheinungsbild betreffen. Wie sieht es mit Eigenschaften aus, die nicht direkt erkennbar sind?

Diese Frage werden wir in diesem Artikel am Beispiel der Intelligenz beantworten.

Recap – Was ist Intelligenz?

Ich habe bereits in diesem Artikel eine ausführliche Definition von Intelligenz gegeben. Falls ihr euch den Artikel jetzt nicht ganz geben wollt, hier eine Kurzfassung:

Um die Intelligenz einer Person zu berechnen, gehen Intelligenzforscher folgendermaßen vor: sie lassen die Person erst ganz verschiedene Tests machen die verschiedene Arten von Intelligenz messen sollen (z.B. sprachliche, emotionale oder logische Intelligenz).

Dann kombinieren sie die Ergebnisse aller Tests mit Hilfe statistischer Methoden. Das Ergebnis bezeichnet man als allgemeine Intelligenz oder g-Faktor.

Das interessante ist aber, dass die verschiedenen Arten von Intelligenz stark miteinander korrelieren. Menschen, die eine hohe sprachliche Intelligenz besitzen, besitzen meist auch eine hohe emotionale und logische Intelligenz. Daher liefern zum Beispiel IQ-Tests eine ganz gute erste Schätzung des g-Faktors.

Ist es relevant, ob man einen hohen oder niedrigen g-Faktor hat?

Absolut! Der g-Faktor ist einer der besten Indikatoren für Erfolg im Leben, gemessen etwa durch Einkommen, Bildung oder gesellschaftliche Position (Hier mehr dazu).

Wieso ist das wichtig?

Gut und schön.

Aber sollte es uns interessieren, ob der g-Faktor genetisch bedingt ist?

Auch hier lautet meine Antwort Ja.

Ob Intelligenz vererbt wird oder nicht ist relevant, um beurteilen zu können wir fair und effizient unser Gesellschaftssystem ist.

Soziale Gerechtigkeit ist mehr als ein Wahlkampfmotto der SPD. Wer will schon in einer Gesellschaft leben, die er für ungerecht hält? Sehr wenige Menschen, wie zahlreiche Studien dokumentieren. Wie in diesem Artikel beschrieben, opfern viele Menschen gerne Teile ihres eigenen Vermögens, um die Welt gerechter zu gestalten.

Es scheint ziemlich wahrscheinlich, dass so gut wie jeder für soziale Gerechtigkeit ist. Die Meinungen darüber was gerecht ist gehen jedoch auseinander. Ist es gerecht, wenn Menschen, die mehr arbeiten, auch mehr verdienen als ihre weniger fleißigen Kollegen? Ist es fair, dass talentiertere Menschen besser vergütet werden? Hier gibt es sehr verschiedene Meinungen. Auch darüber mehr in diesem Artikel.

Aber es gibt noch einen Grund dafür, dass Menschen in der Gerechtigkeitsfrage uneins sind, und darum geht es hier. Selbst wenn sie die gleiche Art von Ungleichheit gerecht finden, so haben sie vielleicht verschiedenen Vorstellungen davon wie die existierende Ungleichheit denn nun wirklich entstanden ist.

Korrupt oder Clever?

Ex-President Obama hat Einkommensungleichheit (innerhalb der USA) als „defining challenge of our time“ bezeichnet (Newell, 2013).

Nicht nur er, auch viele andere Politiker und Ökonomen beschäftigen sich mit der Frage wie Ungleichheit reduziert werden kann.

Aber mal ganz provokant gefragt: Wieso sollte Ungleichheit überhaupt reduziert werden? Was ist denn das Problem mit Ungleichheit? Im Ernst, schreibt mir euere größten Probleme mit Ungleichheit gerne in die Kommentare 🙂

Mein Punkt ist folgender: in unserer Gesellschaft wird man, sofern man nicht reich geboren wird, am schnellsten durch gute Ideen wohlhabend. Kluge neue Produkte, clevere Netzwerke, Apps die uns den Alltag erleichtern. Der beste Weg reich zu werden ist es hier eine wirklich gute Idee zu haben, sich selbständig zu machen und dann cleveres Management zu betreiben. Ihr seht schon, Intelligenz ist der Schlüssel.

Und tatsächlich hängt der g-Faktor ja auch sehr stark mit dem Einkommen zusammen (Hier mehr dazu).

Nun, manche Menschen sind nun einmal klüger als andere. Diese klugen Menschen werden auf gute Ideen kommen und reich werden, während ihre weniger intelligenten Nachbarn nicht reich werden.

Auf der anderen Seite schadet es natürlich auch selten reiche Eltern zu haben oder Freunde in Top-Positionen mit denen man zum Beispiel profitable Corona-Maskendeals abschließen kann.

Wir sind uns alle einig darüber, dass es große Einkommens- und Vermögensungleichheiten gibt. Aber wie ist diese Ungleichheit entstanden? Eher dadurch, dass es sehr große Intelligenzunterschiede in der Gesellschaft gibt oder dadurch, dass Vitamin B sehr ungleich verteilt ist?

Ist ersteres der Fall sind die meisten von uns vermutlich eher geneigt Ungleichheit gerecht zu finden und zu akzeptieren. Trifft letzteres zu würden die meisten wohl mehr Umverteilung bevorzugen.

Reiche Eltern oder clevere Kinder?

Ein anderes Beispiel ist soziale Mobilität.

Man hört immer wieder davon, dass Kinder aus Haushalten mit geringem sozioökonomischem Status es selten in die Chefetagen von Unternehmen oder Parteien schaffen.

Aber ist das ungerecht?

Die meisten Menschen würden wohl mit ja antworten, sofern alle Menschen mit den gleichen Anlagen für diese Positionen geboren werden. Ungleichheit muss dann auf Diskriminierung in irgendeiner Form zurückzuführen sein. Sei es durch schlechtere Schulbildung, eine schlechtere Erziehung oder dadurch, dass sie einfach nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden.

Aber jetzt überlegt euch mal Folgendes: die Allgemeine Intelligenz hängt sehr eng mit dem eigenen sozioökonomischen Status im Erwachsenenalter zusammen (hier mehr dazu). Das heißt, die Chefetagen werden typischerweise von intelligenten Menschen besetzt (auch wenn man das manchmal nur schwer glauben kann).

Nehmen wir einmal an Intelligenz ist zu 100% genetisch bedingt, genauso wie alle anderen Eigenschaften des Menschen. Söhne sind damit praktisch perfekte Kopien ihrer Väter, Töchter perfekte Kopien ihrer Mütter. Es ist so als würden sich Menschen einfach klonen, oder als würden sie ewig leben.

Wenn nun Unternehmen und Parteien nur nach Leistung selektieren, dann werden sie alle Kinder genauso behandeln, wie sie eine Generation zuvor ihre Eltern behandelt haben. Die Kinder der erfolgreichen Eltern werden erfolgreich sein, wenig erfolgreiche Eltern werden wenig erfolgreiche Kinder haben. Dies hat aber nichts mit Diskriminierung zu tun. Es liegt daran, dass Kinder und Eltern gleich sind und gewinnmaximierende Unternehmen Gleiches gleich behandeln.

Unter solchen Bedingungen würden vermutlich weniger Menschen sagen, dass die soziale Mobilität gesteigert werden muss. In dieser Welt führt eine Leistungsgesellschaft automatisch dazu, dass es keine soziale Mobilität geben kann.

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass man sich damit abfinden muss, dass weniger intelligente Menschen wenig verdienen. Es gibt gute Gründe für Umverteilung, selbst wenn Intelligenz zu 100% genetisch bedingt ist. Aber wenn der g-Faktor nur durch Erziehung zustande käme gäbe es noch einen guten zusätzlichen Grund. In dieser Welt sollte die Umverteilung optimalerweise also stärker ausgeprägt sein als in einer Welt des genetischen Determinismus.

Um also beurteilen zu können welche Politikmaßnahmen gerecht sind müssen wir herausfinden in welcher dieser Welten wir leben. Und dafür müssen wir wissen, ob Intelligenz nun vererbbar ist oder nicht.

Wie untersucht man das?

Stellt euch mal vor ihr solltet herausfinden zu welchem Anteil der g-Faktor vererbbar ist. Was würdet ihr tun?

Gar nicht so einfach, oder?

Man könnte zum Beispiel einfach Kinder aus ganz verschiedenen Elternhäusern entführen und sie alle zusammen in einer Kommune im Amazonasgebiet aufziehen. Alle bekommen die gleiche Bildung. Dann vergleicht man nach 20 Jahren die g-Faktoren der Kinder untereinander und mit denen ihrer Eltern. Wenn die Kinder genau die gleichen g-Faktoren haben wie ihre Eltern, ist die Umwelt wohl recht irrelevant. Wenn die Kinder alle die gleichen g-Faktoren haben, ist Genetik wohl egal.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Dritte Reich oder die UdSSR so ein Experiment mal in Erwägung gezogen hat. Heutzutage haben es Forscher aber immer schwerer Ethik-Kommissionen von solchen Vorhaben zu überzeugen.

Stattdessen greifen sie auf einen schlauen Trick zurück.

Es gibt zwei Arten von Zwillingen. Eineiige Zwillinge haben identisches Genmaterial. Bei Zweieiigen Zwillingen ist das Genmaterial nur zur Hälfte gleich.

Sagen wir mal die Zwillinge wachsen in der gleichen Familie, also unter sehr ähnlichen Umständen, auf. Das ist ja zum Glück meistens der Fall.

Wenn Genetik irrelevant ist, sollte der Unterschied in der Intelligenz zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen gleich groß sein. Eineiige Zwillinge sind sich zwar genetisch ähnlicher, aber Genetik ist ja per Annahme egal.

Eine größere Ähnlichkeit zwischen eineiigen Zwillingen deutet also auf einen Einfluss des genetischen Materials hin.

Dann gibt es auch leider Zwillinge, die adoptiert werden und in verschiedenen Familien aufwachsen. Hier sind die Umweltbedingungen verschieden aber das genetische Material ist identisch bzw. zur Hälfte identisch.

Dadurch dass man eineiige und zweieiigen Zwillinge vergleicht und dabei berücksichtigt ob die Zwillinge zusammen oder getrennt aufgewachsen sind ist es also möglich zu erschließen wie wichtig Genetik und Umweltfaktoren für die Intelligenz sind (Knopik et al. 2016).

Die Ergebnisse

Genetik als Erklärung für Unterschiede in der Intelligenz anzuführen war in der 1970ern und 1980ern verrufen und Forscher, die es dennoch wagten, solche Studien durchzuführen wurden nicht selten angefeindet (Plomin und von Stumm 2018).

Dies hatte jedoch auch den positiven Effekt, dass Forscher sehr sauber arbeiten mussten, um ihre Ergebnisse zu diesem Thema veröffentlichen zu können. Entsprechend haben die letzten Jahrzehnte eine Reihe von sauberen Zwillingsstudien ergeben, teilweise mit mehreren tausend Zwillingen.

Mittlerweile existieren verschiedene Meta-Studien in denen Daten aus all diesen Studien kombiniert werden. All diese Meta-Studien kommen zu dem Ergebnis, dass recht genau 50% der Intelligenz vererbt ist (Knopik et al. 2016).

Intelligenz ist also zur Hälfte vererbt und zur anderen Hälfte umweltbedingt.

Das ist also schon die Antwort. Es ist zwar nur eine Zahl aber diese Zahl hat es in sich.

Was bedeutet das für uns?

Wenn ihr euch eine eindeutige Antwort erhofft hattet muss ich euch also leider enttäuschen.

Wir leben weder in einer Welt, in der die Intelligenz genetisch determiniert wird, noch in einer Welt in der sie ausschließlich durch Erziehung bestimmt wird. Wir leben in einer Mischwelt die ziemlich genau auf halber Strecke zwischen diesen beiden Extremen liegt.

Ein großer Teil der Ungleichheit in der Gesellschaft ist also wirklich darauf zurückzuführen, dass manche Menschen einfach intelligenter sind als andere.

Beispiel Sowjetunion: der alte Erzfeind des Westens war keine Leistungsgesellschaft. Entsprechend zeigen Studien, dass Bildung und beruflicher Status in diesem Staat eher schwach mit Intelligenz korreliert waren. Die Intelligenten erhielten im System der Sowjetunion also mehr Bildung als die weniger intelligenten und sie wurden anschließend auch eher Wissenschaftler oder Politiker. Aber der Zusammenhang war nicht sonderlich stark. Auch viele weniger intelligente schafften es an die besten Unis des Landes (Rimfeld et al. 2016).

Dies änderte sich nach der Wende. Estland zum Beispiel kehrte dem alten System rasch den Rücken und wurde mehr wie seine westlichen Nachbarn zu einer Leistungsgesellschaft.

Und tatsächliche wurde der Zusammenhang zwischen Intelligenz, Bildung und Berufswahl in der Folge auch deutlich enger und ist nun doppelt so stark wie zu Sowjet-Zeiten.

Dies legt nahe, dass unser System der Leistungsgesellschaft dafür sorgt, dass die Intelligenten Erfolg haben. Ob das gut ist, ist eine andere Frage,
aber es wäre ein Fehler diese Einsicht zu ignorieren.

Wie gut sind Privatschulen?

Ein ähnlicher Punkt muss bezüglich sozialer Mobilität gemacht werden. Häufig hört man davon, dass Kinder, die auf Privatschulen gehen, einen unfairen Vorteil haben und deswegen später besonders gut abschneiden.

Dies stimmt sicherlich zu einem Teil, aber es ist nur die halbe Wahrheit.

Ein Forscherteam um Emily Smith-Woolley hat nämlich herausgefunden, dass Kinder die Privatschulen besuchen überdurchschnittlich intelligent sind (Smith-Woolley et al. 2018).

Dies passt zu der Idee, dass wohlhabende Menschen überdurchschnittlich intelligent sind und wegen der Erblichkeit von Intelligenz auch besonders intelligente Kinder haben.

Schüler aus Privatschulen sind also nicht nur deshalb erfolgreich, weil sie bessere Bildung erhalten. Sie wären auch erfolgreicher als andere Kinder, wenn sie auf öffentliche Schulen gehen würden.

Diese Information ist übrigens auch wichtig für dich, falls du gerade darüber nachdenkst ob du dein Kind auf eine Privatschule stecken sollst. Der Vorteil, den das Kind dadurch erhält ist vermutlich kleiner als du dachtest.

Aber so einen Vorteil hat dein Kind wahrscheinlich gar nicht nötig. Du liest dir immerhin in deiner Freizeit wissenschaftliche Artikel von höchster Qualität durch. Du musst also einen ziemlich hohen g-Faktor besitzen. Und wie wir gerade gelernt haben, sind deine Kinder daher mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls super clever. 🙂

Quellen:

Newell, Jim. Obama: income inequality is ‚defining challenge of our time‘ – live. In: The Guardian, 2013. https://www.theguardian.com/world/2013/dec/04/obama-income-inequality-minimum-wage-live (Aufgerufen am 15.06.2021)

Knopik, Valerie S., et al. Behavioral genetics. Macmillan Higher Education, 2016.

Plomin, Robert, and Sophie von Stumm. „The new genetics of intelligence.“ Nature Reviews Genetics 19.3 (2018): 148.

Behavior Genetics Association 46th Annual Meeting Abstracts. Rimfeld, K., Trzaskowski, M., Esko, T., Metspalu, A. & Plomin, R. Genetic influence on educational attainment and occupational status during and after the Soviet era in Estonia [abstract]. Behav. Genet. 46, 803 (2016)

Smith-Woolley, Emily, et al. „Differences in exam performance between pupils attending selective and non-selective schools mirror the genetic differences between them.“ npj Science of Learning 3.1 (2018): 1-7.

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Weit verbreitete Irrtümer

Wie wir anfangen Ungleichheit zu akzeptieren

Ist der Mensch fair oder unfair?

Macht ihn die Gesellschaft besser oder schlechter?

Teilen Kinder mehr als Erwachsene?

Wann beginnen Menschen damit wirtschaftliche Ungleichheiten zu akzeptieren?

Um diese interessanten Fragen geht es in dem folgenden Text.

Doch bevor wird gleich zur Sache kommen starten wir mit einer kurzen Anekdote aus meinem Leben.

Typisch Karneval

In meiner alten Schule hatten wir ein schönes Ritual. An Karneval trafen wir uns alle, so ab der 8. Klasse, am Zülpicher und feierten gemeinsam.

Ja, die Schule war ziemlich klein.

Ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Zeit und noch mehr schöne Dinge leider vergessen, wenn ich meinen Klassenkameraden glauben kann.

Aber an eine Begebenheit erinnere ich mich noch ganz genau.

Es war der Abend des 11.11. in Köln. Ich sah alles ganz undeutlich und verschwommen. In der Hand hielt ich eine große Plastikflasche mit Mischgesüff.

Ich weiß nicht mehr genau wie ich zum Bahnhof gekommen bin oder welcher Bahnhof es war.

Aber eines wusste ich ganz genau. Der nächste Zug, in den ich einsteigen würde, mich sicher vor meine Haustür bringen.

Es ist schon merkwürdig, wenn ich betrunken bin, habe ich oft fixe Ideen und bin dann zu 100% von ihnen überzeugt.

Geht euch das ähnlich?

Naja, jedenfalls ist der Zug natürlich in die falsche Richtung gefahren.

Das habe ich so ca. 30 Minuten nicht gemerkt. Dann hörte ich auf einmal die Stimmen zweier Klassenkameraden: „Ey Laurenz, was machst du denn hier?“

Ein Dorf in der Eifel

Letztlich entpuppte sich meine fixe Idee doch noch als genial.

Da ich nun keine andere Wahl hatte folgte ich den beiden, die ich bis dahin nicht besonders gut kannte, einfach nach Hause.

Besagtes Zuhause lag in einem winzigen Dorf in der Eifel. Ich nenne den Namen lieber nicht, weil ihr sonst alle bestimmt irgendwann dort aufschlagt, um mitzufeiern.

Denn dort ging es damals gut ab, und heute immer noch ab und an.

Es gibt in diesem Dorf zwei größere Familien, die befreundet sind. Eine der Familien hat eine Scheune, die praktisch zu einem Club umgebaut wurde, mit Discokugel, Nebelmaschine und Stroh auf dem Dachboden.

Wenn eine der Familien feierte, feierte die andere automatisch mit. Und wenn beide Familien zusammen feierten, kam auch automatisch die ganz Dorfjugend mit dazu. Und das wiederum zog die Jugend aller umliegenden Dörfer an.

Karneval war ich also zum ersten Mal da, und von da an alle 2 Wochen.

Betrunkene Philosophen

Aber ich war dort natürlich nicht zum Vergnügen.

Ich habe dort auch viel gelernt. Zum Beispiel, dass Jungen umso mehr philosophieren, je betrunkener sie sind. Am Anfang geht’s noch um Frauen, aber irgendwann wird nur noch über den Sinn des Lebens diskutiert.

Ganz anders bei Frauen. Die fangen irgendwann an über alles hysterisch zu lachen.

Das war jedenfalls die Meinung eines Mädchens, dass ich dort kennen gelernt habe.

Und mit ihr habe ich an besagtem Tag die gesamte Nacht durchdiskutiert.

Und ja, das meine ich so wie es hier steht.

Sind Kinder von Natur aus gut?

Wir haben über Gott und die Welt diskutiert.

Aber eine Sache ist mir besonders im Kopf geblieben.

Sie vertrat die Ansicht, dass Kinder von Natur aus selbstlos und fair sind. Mit der Zeit, so argumentierte sie, würden jedoch die Ideale der Leistungsgesellschaft die guten Seelen der Kinder korrumpieren. Unter ständigen Leistungsdruck gestellt würden Kinder Egoismus und unfairere Verhaltensweisen entwickeln.

Kurz: Menschen sind von Natur aus gut. Das Böse im Menschen entstammt der verkommenen Gesellschaft, die den Menschen korrumpiert.

Sie ist nicht die erste, die sich darüber Gedanken gemacht hat. Die Frage, ob der Mensch gut oder schlecht ist, ist so alt wie die Menschheit selbst und unzählige Philosophen haben sich schon darüber die Köpfe zerbrochen. Die konnte sie auch übrigens alle aufzählen.

Ich kannte keinen dieser Philosophen (mir ist nur Rousseau in Erinnerung geblieben). Mein Ansatz war komplett anders.

Im Rest dieses Artikels geht es um die Antwort, die ich ihr gegeben habe.

Wie wir altruistisch werden

Statt endlos zu philosophieren, ist es oft aufschlussreicher Experimente durchzuführen.

Die Theorie besagter Philosophin sagte voraus, dass kleine Kinder selbstlos sind und mit dem Alter immer egoistischer werden.

Gut, dann lass es uns doch einfach testen!

Genau das hatten sich Ernst Fehr, Helen Bernhard und Bettina Rockenbach auch gedacht.

Sie rekrutierten 229 Schweizer Kinder aus diversen Kindergärten und Schulen.

Auch komisch. Stellt euch mal vor ihr wollt euer Kind vom Kindergarten abholen und dann steht da ein alter Mann, der euch fragt, ob er mit eurem Kind ein Experiment durchführen darf.

Naja, es scheint ja funktioniert zu haben.

Die Kinder konnten in ihrem Experiment wählen, ob sie selbst 2 Süßigkeiten, oder ob sie und ein anderes Kind jeweils eine Süßigkeit erhalten.

Vor dem Start des Experiments stellten die Autoren durch mehrere Kontrollfragen sicher, dass die Kinder den Ablauf des Experiments verstanden hatten.

Einfach, oder?

Dieses Experiment haben die Forscher mit Kindern verschiedener Altersgruppen (zwischen 3 und 8) durchgeführt.

Das Ergebnis war das genaue Gegenteil von dem, was die betrunkene Philosophin sich vorgestellt hatte.

Kleine Kinder zwischen 3 und 4 Jahren verhielten sich fast alle egoistisch. Mehr als 90% der Kinder dieses Alters rissen sich beide Süßigkeiten unter den Fingernagel und ließen das andere Kind leer ausgehen.

Bei 5-6-Jährigen waren dagegen schon ca. 20%, also mehr als doppelt so viele, bereit, dem anderen Kind eine Süßigkeit zu gönnen.

Bei 7-8-Jährigen schließlich verdoppelte sich der Wert der Altruisten wieder auf fast 50%.

Dieses Kind ist jünger als 4 Jahre. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass es sich vollkommen schamlos alle Süßigkeiten in Reichweite unter den Nagel reißen wird.

Zurück zur Philosophin

Diese Resultate lassen die Theorie der Philosophin unwahrscheinlich erscheinen. Tatsächlich deuten sie auf das Gegenteil hin. Kleine Kinder sind Egoisten und teilen nicht. Erst mit der Zeit, sei es durch Erziehung, Erfahrungen oder einen natürlichen Reifungsprozess, werden sie (teilweise) zu Altruisten.

Dies bedeutet nicht, dass Menschen in einem „Naturzustand“ egoistisch wären. Es bedeutet auch nicht, dass es nur unserer Gesellschaft zu verdanken ist, dass Kinder zu Altruisten werden.

Es widerlegt aber, dass Menschen als Altruisten auf die Welt kommen, und es spricht in abgeschwächtem Maße auch dagegen, dass Kinder in unserer Gesellschaft zu Egoisten verkommen.

Denn wäre dies der Fall, wäre der Prozentsatz der Altruisten im Zeitverlauf wohl nicht so stark gestiegen.

Diese Ergebnisse wurden im Übrigen in weiteren Studien mit deutlich größeren Teilnehmeranzahlen repliziert (Cappelen et al. 2010).

Akzeptanz von Ungleichheit

Altruismus entwickelt sich also im frühen Kindesalter.

Wie sieht es mit der Akzeptanz von Ungleichheit aus?

Zu diesem Zweck hat ein Wissenschaftler-Team rund um Ingvild Almås eine weitere Studie mit Kindern durchgeführt.

In dieser Studie wurde das Verhalten von etwas älteren Kindern analysiert. Genau genommen handelte es sich um 486 Schulkinder ab der 5. Klasse, die aus 20 verschiedenen norwegischen Schulen rekrutiert wurden.

Die Kinder saßen sie in einem Labor in kleinen abgetrennten Kabinen vor Computern. Das gesamte Experiment war computerisiert.

Zuerst hatten sie die Möglichkeit bei einer Aufgabe Punkte zu verdienen. Die Aufgabe war sehr langweilig, ihnen wurden Zahlen auf dem Bildschirm gezeigt und sie sollten auf alle Zahlen einer bestimmten Art klicken.

Alternativ konnten sie Videos schauen. Dafür gabs aber keine Punkte.

Sie konnten sich also frei einteilen wieviel Zeit sie auf welche Aktivität verwendeten.

Ich hätte keine 5 Minuten an dieser Aufgabe gearbeitet.

Wie siehts bei dir aus?

Die Kinder hatten jedenfalls eine ganz gute Arbeitsmoral. Von den 45 Minuten, die sie auf den Seiten verbringen mussten, arbeiteten sie im Schnitt 42 Minuten.

Somit hatten einige Kinder nach dieser Phase des Experiments mehr Punkte gesammelt als andere. Einerseits dadurch, dass manche besser in der Aufgabe waren als andere. Andererseits dadurch, dass einige mehr arbeiteten während andere nur prokrastinierten.

Nun hatten sich die Experimentatoren aber noch eine Gemeinheit ausgedacht. Für einen zufällig ausgewählten Teil der Kinder waren die Punkte doppelt so viel Wert wie für alle anderen.

Damit hatten die Kinder am Ende verschieden viel Geld verdient. Einerseits lag dies daran, dass sie verschieden fleißig und produktiv waren. Andererseits aber auch daran, dass andere mehr Glück gehabt hatten als andere.

Diktator-Spiele

In der letzten Phase des Experiments wurden die Kinder in Paare aufgeteilt. Jedes Paar bestand aus Kindern der gleichen Altersstufe.

An dieser Stelle sollte noch erwähnt werden, dass die Studie anonymisiert war. Die Kinder wussten also nicht mit welchem anderen Kind sie interagierten. Außerdem haben die Autoren darauf geachtet immer möglichst wenig Kinder einer Schule gleichzeitig ins Labor einzuladen.

Sie wussten aber wie viel Zeit das andere Kind auf der Produktionsseite verbracht hatte, wie viele Punkte das andere Kind dabei gesammelt hatte und wie viel es dadurch verdient hatte.

Jedes Kind wurde so mit 5 anderen Kindern hintereinander gepaart.

Wie sich das anhört 😀

Das Kind selbst sowie sein Partner hatten in der ersten Phase des Experiments Geld verdient. Nun wurden diese beiden Beträge zusammengerechnet und beide Kinder wurden unabhängig voneinander gefragt, wie der Gesamtbetrag unter den beiden aufgeteilt werden sollte.

Beispiel: Kind 1 hat 50 Euro verdient, Kind 2 100 Euro. Dann wurde sowohl Kind 1 als auch Kind 2 gefragt wie die 150 Euro unter Kind 1 und Kind 2 aufgeteilt werden sollten.

Nach dem Experiment wurde für jedes Kind eines der 5 Paare, zu denen es gehört hatte, ausgewählt. Dort wurde dann mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% seine eigene Wunschverteilung oder die Wunschverteilung des Partners ausgewählt.

Die so ausgewählte Verteilung wurde dann wirklich implementiert, das heißt die beiden Kinder bekamen genauso so viel Geld wie das ausgewählte Kind festgelegt hatte.

Dies bedeutet, dass die Entscheidungen der Kinder echte Konsequenzen hatten. Es ging um echtes Geld und die Kinder wussten das auch.

Diese Anreizsetzung ist bei ökonomischen Experimenten Standard und ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Denn bei Entscheidungen, die keine Konsequenzen haben, zum Beispiel Antworten bei Umfragen, wird naturgemäß viel mehr gelogen, als wenn es um etwas geht.

Aus den Entscheidungen der Kinder können wir viel darüber lernen wie altruistisch sie sind und welche Fairness Ideale sie vertreten.

Und darum geht es im Folgenden.

Wie wir altruistisch bleiben

So, alles klar?

Falls nicht, schreibt eure Fragen gerne in die Kommentarsektion.

Ansonsten sind wir bereit die Ergebnisse zu präsentieren:

Ein erstes Resultat knüpft nahtlos an das Hauptresultat der oben besprochenen Studien an.

Altruismus, gemessen durch den Anteil des Gesamteinkommens der dem anderen Kind zugestanden wird, verändert sich zwischen der 5. und der 13. Klasse nicht.

Altruismus scheint also bei 10-11-jährigen „voll“ entwickelt zu sein. Jedenfalls werden Kinder im Durchschnitt ab diesem Alter nicht mehr altruistischer.

Unterschiede im Altruismus zwischen Jungs und Mädels gab es übrigens auch keine.

Drei Ideale

Versetz dich mal in die Position des Kindes. Sagen wir du wirst zunächst mit einem Kind gepaart, dass gar nicht gearbeitet hat. Wie würdest du euer gesamtes erarbeitetes Geld (also dein erarbeitetes Geld) auf euch beide aufteilen?

Nimm jetzt an du triffst auf ein Kind, dass noch mehr gearbeitet hat als du. Wie verteilst du jetzt um?

Die meisten Menschen würden vermutlich dem hart arbeitenden Kind mehr geben als dem faulen Kind. Wieso? Weil sie es fair finden.

Ein solches Fairness Ideal nennt man Meritokratismus. Menschen sollten für ihre Anstrengung belohnt werden.

Nicht hingegen für Ressourcen die sie aufgrund von Glück erhalten haben. Falls du dich nicht erinnerst: Für die Hälfte der Kinder waren erarbeitete Punkte doppelt so viel Wert wie für die andere Hälfte. Wessen Punkte viel Wert waren wurde rein zufällig entschieden.

Ein Meritokrat würde zwei Kinder, die gleich viel gearbeitet haben, aber unterschiedlich viel Geld für ihre Punkte erhalten haben genau gleichbehandeln.

Ein zweites verbreitetes Fairness Ideal ist das egalitäre. Menschen mit einem egalitären Fairness Ideal finden, dass jegliche Form von Ungleichheit ausgeglichen werden sollte.

Vertreter dieses Ideals argumentieren zum Beispiel häufig, es sei eine Form von Glück mit vielen Talenten geboren worden zu sein. Produktivere Menschen seien daher nicht durch ein größeres Stück des Kuchens zu bevorzugen. Aber selbst unterschiedliche Behandlung aufgrund unterschiedlicher Anstrengungen lehnen egalitäre Menschen ab.

Das dritte und letzte Fairness Ideal, dass man in der ökonomischen Forschung standardmäßig betrachtet, ist das libertäre. Libertäre Menschen finden einfach jegliche Ungleichheit gerechtfertigt. Ob sie nun durch Glück, Anstrengung oder Talent entstanden ist.

Diese drei Fairness-Ideale, egalitär, meritokratisch, libertär, wurden allesamt von verschiedenen Philosophen und Denkschulen vertreten. Philosophen versuchen dabei meist durch logisches Schlussfolgern zu begründen, warum ihr Fairness Ideal das einzig richtige ist.

Die Relevanz der Fairness Ideale

Ökonomen sind bescheidener. Sie versuchen herauszufinden welche Fairness Ideale Menschen denn nun tatsächlich vertreten? Wieviel Prozent der Bevölkerung sind denn Meritokraten?

Dies zu wissen ist natürlich extrem wichtig, um eine Wirtschaftsordnung zu kreieren, die vom Volk als fair angesehen wird.

Im Jahre 2007 publizierten einige Ökonomen rund um Alexander Cappelen eine erste deskriptive Studie zu dieser Frage. Sie fanden heraus, dass der größte Teil US-Amerikanischer Studenten Meritokraten sind (Cappelen et al. 2007).

Seitdem wurden hunderte Studien durchgeführt, die versuchen die Fairness Ideale immer neuer Personengruppen zu ergründen.

Dazu werde ich bestimmt auch mal eine Übersicht geben, dies würde aber hier den Rahmen sprengen.

Festzuhalten bleibt, dass Meritokratismus in westlichen Gesellschaften allgemein das am weitesten verbreitete Fairness Ideal ist (Cappelen et al. 2020).

Kleine Kinder sind egalitär

Zurück zu unseren lieben Kleinen.

Wir hatten schon gesehen, dass der Egoismus der Kinder ab der fünften Klasse nicht weiter zurückgeht.

Was sich aber sehr wohl ab der 5. Klasse verändert ist die relative Häufigkeit der verschiedenen Fairness Ideale.

Wie sich zeigte sind die meisten Fünftklässler egalitär. Sie differenzieren nicht zwischen denen die hart gearbeitet haben und denen, die Glück gehabt haben.

Was bedeutet das?

Ein Beispiel:

Sagen wir, ein Kind wird nacheinander mit 2 anderen Kindern gepaart. Sein erster Partner hat sich sehr angestrengt aber Pech bei der Auslosung gehabt und somit insgesamt 100 Euro erarbeitet. Bei dem zweiten Kind war es genau umgekehrt. Es hat sich wenig angestrengt aber Glück gehabt und insgesamt 100 Euro verdient. Das Kind selbst hat 50 Euro verdient.

Fünftklässler wenden nun ein egalitäres Fairnessideal an. Das heißt sie teilen in beiden Situationen den Gesamtbetrag von 150 Euro gleichmäßig auf sich selbst und das andere Kind auf. Jeder bekommt also 75 Euro.

Das gilt auch wenn das Kind, dass die Entscheidung trifft, mehr verdient hat als die anderen beiden.

Ganz wichtig: sie behandeln damit das Kind, welches sich angestrengt hat und das Kind, dass nur Glück hatte, gleich.

Der Siegeszug des Meritokratismus

Die Forscher fanden interessanterweise heraus, dass sich das von der 5. auf die 7. Klasse schlagartig ändert.

Für Siebtklässler spielte es eine viel größere Rolle wie produktiv jemand gewesen war. Sie teilten Faulenzern aber auch Kindern, die einfach nicht gut in der Aufgabe gewesen waren, also deutlich weniger zu.

Dieser Trend setzte sich mit steigendem Alter noch weiter fort. Je älter, desto mehr spielte für die Kinder Produktivität eine Rolle.

In der Sprache der Fairness Ideale war also ab der 7. Klasse der Meritokratismus das am weitesten verbreitete Fairness Ideal. Und von der 7. bis zur 13. Klasse nahm der Anteil der Meritokraten sogar noch weiter zu.

Gleichzeitig ging der Anteil der Egalitären dramatisch zurück, während es in allen Stufen ähnlich viele Libertäre gab.

Hier könnte man nun also wirklich vermuten, dass die Veränderungen, die Kinder ab der 5. Klasse durchmachen, durch Leistungsdruck der Gesellschaft entstehen. Denn unsere Leistungsgesellschaft baut ja gerade auf der Idee auf, dass sich Leistung lohnt.

Wirklich überprüfen lässt sich diese These mit den Daten des Experiments aber leider nicht. Denn dafür bräuchte man als Vergleichsgruppe Kinder, die in einer Nicht-Leistungsgesellschaft aufwachsen.

Wie man eine Party feiert

Fassen wir noch einmal zusammen was wir aus Kinderexperimenten gelernt haben:

  1. Kleine Kinder sind sehr egoistisch
  2. Kinder werden bis zur 5. Klasse deutlich altruistischer
  3. Ab der 5. Klasse werden Kinder nicht mehr wesentlich altruistischer
  4. Die meisten Kinder um die 5. Klasse herum haben ein egalitäres Fairness Ideal
  5. Nach der 5. Klasse geben immer mehr Kinder ihr egalitäres Fairness Ideal auf und werden Meritokraten
  6. Die meisten Erwachsenen sind Meritokraten

So, da haben wir doch heute schonmal einiges gelernt!

Nun gut, soviel zur Wissenschaft.

Falls es euch interessiert wie meine Story ausgegangen ist:

Ich habe der Philosophin von all diesen Studien erzählt und Ideen für neue Forschungsprojekte skizziert bis sie irgendwann eingeschlafen ist.

Quellen:

Almås, Ingvild, et al. „Fairness and the development of inequality acceptance.“ Science 328.5982 (2010): 1176-1178.

Cappelen, Alexander W., et al. „The pluralism of fairness ideals: An experimental approach.“ American Economic Review 97.3 (2007): 818-827.

Cappelen, Alexander W., Ranveig Falch, and Bertil Tungodden. „Fair and Unfair Income Inequality.“ Handbook of Labor, Human Resources and Population Economics (2020): 1-25.

Fehr, Ernst, Helen Bernhard, and Bettina Rockenbach. „Egalitarianism in young children.“ Nature 454.7208 (2008): 1079-1083.

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